Der Rhythmus Japans


Im letzten Sommer besuchte ich im Rahmen des Schleswig-Holsteinischen Musikfestivals ein Konzert des Ensembles Wadaiko Matsumura Gumi: Sofort war ich von dem mitreißenden Rhythmus der japanischen Trommler gefangen!

Schon vor über 1400 Jahren wurden die Taikos (die dicken japanischen Trommeln) zu verschiedenen Zwecken eingesetzt:

Die weithin dröhnenden Trommeln waren in kriegerischen Auseinandersetzungen sowohl Kommunikationsmittel, eigene Anfeuerung bzw. gleichzeitig dem Gegner Furcht einflößendes Instrumentarium. Aber auch in friedlichen Zeiten wurden die Taikos gschlagen: Als Warnung vor herannahenden Taifunen oder zum Vertreiben böser Geister. Sogar Dorfgrenzen wurden mit Hilfe der dröhnenden Taikos abgesteckt: Wo man den Taiko-Schlag nicht mehr hören konnte, endete das Dorf.
Wie sehr die Trommeln mit den Traditionen Japans zusammenhängt, vermittelt diese Geschichte:
Eines Tages hat sich die Sonnengöttin über ihres Bruders sinnlose Gewalttätigkeiten sehr geärgert und versteckte sich in einer Höhle. Dadurch wurde die Erde in totale Finsternis getaucht.
Die Menschen wollten sie aus der Höhle wieder herauslocken und begannen vor der Höhle zu tanzen, zu musizieren, zu beten und zu trommeln. Durch dieses Spektakel vor der Höhle wurde die Sonnengöttin neugierig und schaute hinaus. In dem Moment wurde sie gepackt und herausgezerrt.
Augenblicklich wurde es wieder warm und hell auf der Erde. Seither wird in Japan die "Taiko" bei allen wichtigen Ereignissen, wie den Sommerfesten, den Erntedank- und Volksfesten kräftig geschlagen.
(Quelle: http://www.masa-daiko.de/ger/home.html)
Bild: Taiko-Vorstellung nahe Nagoya-jo- (Burg von Nagoya) in Japan. Die große Trommel im Hintergrund ist 240 cm lang und hat in der Mitte einen ebenso großen Durchmesser, an den Enden von 195 cm. Die Trommel wurde aus einem Stück eines 1.200 Jahre alten Baumes gefertigt und wiegt rund 3 Tonnen.
Mit großen, weit ausholenden Bewegungen und viel Kraft werden die Taikos mit sehr dicken Schlägeln gespielt: Schwerstarbeit!
Das rechte Bein fast horizontal angewinkelt, das linke Bein weit nach hinten gestreckt, stehen die Trommler wie einbetoniert vor der Taiko. Beide Arme über Schulterhöhe beständig dem eigenen Rhythmus folgend, bietet der unbewegliche Stand die Basis für die langsamen und schnellen Rhythmen.

Das Schlagen der japanischen Trommeln fasziniert immer mehr Menschen, so dass es inzwischen auch viele nichtjapanische Gruppen gibt: Eine Gruppe ist z. B. in Hamburg ansässig und auf ihrer Website www.tengudaiko.de/videos.htm findet Ihr ein Video - da könnt Ihr einen guten Eindruck von den im Bauch kribbelnden, kraftvollen, wirbelnden Rythmen bekommen.

Und ansonsten kann ich es Euch nur empfehlen, die Veranstaltungskalender in Eurer Gegend nach solchen Konzerten zu durchforsten!