Wurfeingänge

Mühsam ist das Gleichgewicht unseres Ukes gebrochen worden (Kuzushi) - und nun? Von alleine fällt Uke meistens nicht, sondern wird versuchen, durch eine Ausgleichsbewegung sein Gleichgewicht wieder herzustellen.

Das bedeutet, dass wir sofort eine schnelle Bewegung machen müssen, um in eine Position zu gelangen, von der aus wir den Wurfansatz (Tsukuri) weiter- und den anschließenden Niederwurf (Kake) durchführen können. Natürlich ist es günstig, dabei Ukes Bewegungen und seine labile Lage mit unserer Form des Wurfeingangs auszunutzen.

Was passiert eigentlich bei einem Wurfansatz? Schaut mal in ein Anfängertraining, da seht Ihr die zwei Komponenten, die meistens noch nicht so besonders harmonieren: Die räumliche Position einerseits und der Kontakt zu Uke andererseits. Beispiel: Eingedreht wurde, aber Tori greift nicht weit genug auf Ukes Rücken und beugt sich zudem leicht ab, es bleibt "zu viel Platz dazwischen". Und das wiederum heißt, dass Uke weder sauber kontrolliert werden kann, noch Toris Kraft auf Uke übertragen werden kann. Funktioniert alles optimal, dann wäre Ukes Gleichgewicht gebrochen, die Wurfansatzbewegung beschleunigt Toris Körper und diese Kräfte werden optimal über die Kontaktpunkte auf Uke übertragen.

Sehen wir uns doch mal die verschiedenen Wurfeingangsformen (in der Rechtsform) einmal an:

Kodokan – Eingang

Uke: steht
Abfolge:
Der rechte Fuß Toris geht diagonal zum rechten Fuß Ukes und zwar so, dass auf dem Fußballen gedreht werden kann. Nun zieht der linke Fuß in einer rückwärtigen Drehbewegung nach. Tori steht nun parallel vor Uke, um 180° zur Ausgangsposition gedreht.
Dieser Eingang findet Anwendung bei Eindrehtechniken.

Pulling out - Eingang

Uke: kommt nach vorne durch Toris Schub
Abfolge: wie beim Kodokan-Eingang, allerdings veranlasst Tori durch seinen Schub eine Gegendruckbewegung. Nun ändert sich Toris Schub in eine starke Zugbewegung und dreht dabei ein.
Dieser Eingang eignet sich insbesondere für Würfe bei der Tori tief nach unten eindreht: Bei Uke entsteht dabei eine recht starke Kippbewegung.

Stepping in - Eingang

Uke: geht seitwärts in Ärmelgriffrichtung oder rückwärts
Abfolge:
An sich funktioniert dieser Eingang wie der Kodokan-Eingang, allerdings steppen die Füße sehr schnell in die Wurfposition (der Gegner muss quasi "eingeholt" werden), dabei baut Tori Spannung auf (ähnlich einer Feder) und befindet sich zudem in einer günstigen Position zu Ukes Schwerpunkt.

direkter Eingang

Uke: geht vorwärts
Abfolge:
Tori geht selbst rückwärts zur Wurfrichtung und macht einen "Öffnungsschritt" mit links, dreht sich nun auf dem linken Fußballen um 180° Grad und stellt den rechten Fuß nach. Tori steht nun wieder parallel vor Uke
Ein sehr schneller Eingang, da nur wenig Bewegungen erforderlich sind, um Tori in Position zu bringen, gleichzeitig wird Ukes "Vorwärtssenergie" mitgenommen.

Kawaishi - Eingang

Uke: Kreisbewegung nach links um Tori
Abfolge:
Tori macht mit seinem linken Fuß einen Schritt überkreuz nach rechts: Mit einer Drehung um die Körperlängsachse nach links auf dem linken Fuß kann der rechte Fuß vor Uke gesetzt werden. Die Endposition ist meistens etwas versetzt vor Uke. Bei dieser Eingangsvariante entsteht eine Rotationskraft, die für den Wurf genutzt wird: Je enger Arme und Beine bei der Drehung am Körper bleiben, desto schneller und "runder" erfolgt die Rotation.